Ankunft

Als das Handy quiekt, kann ich mich im ersten Moment nicht erinnern, wo ich bin. Dann kommt die bittere Erkenntnis: völlig Strauch-los sitze ich mit einem Sprinter voller Gerümpel in Moosburg. Die Kaffeemaschine produziert, es ist saukalt und regnet. Da wäre ich lieber in der Eifel geblieben! 7.30 kommt und geht, wir bleiben in der trockenen Küche sitzen, sitzengelassen von den Umzugshelfern, na gut, dann fahren wir mal das Garagentor auf und den Sprinter ran und setzen um. Gert trifft ein und ist enttäuscht, dass noch Arbeit da ist, Helmut schaut für drei Minuten vorbei, genug, um die Waschmaschine auszuladen. Silvia löst ihn ab und jeder stapelt, was er grad greifen kann, beliebig, unreflektiert und völlig ungeordnet in die Garage, tatsächlich, dann ist sie voll und der Sprinter trägt noch Last, mit ein bisserl Gepfriemel geht doch noch alles rein. Während ich sieben Jahre ein Schondeckchen über meinem gelben Sofa liegen hatte, genügen schon wenige Männer, die während des Umzugs mit schmutzigen Schuhen drüber laufen, bis die Lehne schwarz ist.

wir sind echt schon so bedient, aber es hört noch nicht auf: Nach Landshut, Sprinter abgeben. Tanken. Nach Regensburg hinter landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen hereiern. Kurz vor Regensburg Regen vorbei. Schön! Richte mich in der Rumpelkammer ein und vermisse die geordnete Unordnung des Strauches jetzt schon. Die Plüschis integrieren sich leichter, der Elch findet neben den Pinguinen Gesellschaft aus den nördlichen Gefilden, die Schafe drücken sich auf der Couch zwischen die Kissen. Dusche mir heftig die Staubschichten des Umzugs ab. Schauen eine Alternativ-Wohnung in der Prüfeninger Straße an und den Fritz danach im Cafe. Während Thomas Postkarten ausliefert, genieße ich den dringend notwendigen Mittagsschlaf, aber so richtig wird das nix mehr hinterher. Taumeln zum Steidle-Wirt und ich lad den hungrigen Thomas auf sein Schnitzel ein, wenn er mir schon den Sprinter fährt.

Was geschieht jetzt mit der Strauchdiebin? Geht sie ein, strauchlos, ohne Pferdweide, ohne WLAN, ohne Telefon? oder entschließt sie sich zur Umschulung?

Der dicke Strich

29.04.2009

Das Handy quiekt, wir starten das Programm für das Finale: Mit dem Fiesta nach Aachen zu Sixt, werfe Thomas ab und eile in den Strauch zurück. Winterreifen raus und Existenzgrundlage für die kommenden vier Wochen rein. Sie kommen fast alle: Gesine, braucht erstmal Kaffee. Uwe, stapelt Kartons im Flur unten vor. Thomas, bringt den Sprinter. Doro, sportlich mit dem Rad. Sogar Walter, der im Termindruck wie meist, gleich konstruktiv vorgeht. Wer fährt, schichtet den Sprinter, also gibt Thomas die Anordnungen. Die beiden Herren stürzen sich willig auf die schweren Teile und abbaubare Angelegenheiten. Die Sonne scheint. Es wird warm. Meine Druntermieterin flieht mit Rollator. Ihr Therapeut kommt. Wir bieten ihm an, die Wartezeit mit Anpacken zu verbringen. Nix. Walter baut die Waschmaschine ab, zerlegt Tisch und Schlafzimmerregal. Die Damen stehen vor dem Sprinter und feuern Thomas beim Schichten an. Meine Druntermieterin moniert die welken Blumen in der Gemeinschaftsmülltonne. Soviel Zeit muss man mal haben! Die Herren verladen als letztes die Waschmaschine. Die Zeit fliegt, schon ist die Maklerin da zur Wohnungsabnahme. Kennt Walter. Die Eifel ist klein. Er zieht ab, ein Haus planen. Gesine lässt ihre Holde zum Abschied aus dem Wagen. Doro radelt davon in den Sonnenshein. Uwe schenkt eine Balkonblume und weg ist er. Besenrein reicht nicht, ich muss die Böden und das Bad noch putzen! Graus. Gegen 14 Uhr kommen wir los, fahren Doro ihre Leiter vorbei, besorgen im Gemünd Brotzeit und los, Richtung Autobahn.

Aber so leicht lässt uns die Eifel nicht gehen, die Autobahnauffahrt bei Euskirchen ist gesperrt, wir gurken ewig rum zur nächsten,  stehen auf der Autobahn dreimal mehrere Stunden im Stau (Thomas sagt später, es wäre ein einziger, 20 km langer Stau gewesen) und ich habe viel Zeit zum Überlgen. Was haben wir in der Eifel gelernt?

- Allein klarkommen, Dinge mit sich allein ausmachen, sich allein im Strauch wohlfühlen, daheim bleiben, Bier trinken

- Eine liebevolle, respektvolle Beziehung zu den Tierchen aufbauen.

- Dr. House, Monk, Grey’s Anatomy, Desperate Housewives und Lindenstraße als Höhepunkt des Tages betrachten

- Sex-and-the-City-Staffeln sind bei Comet am günstigsten

- Eifeler Wörterbuch: Tuppes = Depp, aus der Kante = aus der Gegend, was an den Füßen = Vermögen, kalt haben = frieren, nach hier = hierher, um ein = um ein Uhr

Am Wirtshaus im Spessart machen wir im kalten Regen Kaffeepause und ich telefoniere das Moosburger Team ab und verschiebe das Entladen auf morgen ganz früh. Wir fahren weiter. Manchmal regnet es. Es wird dunkel. Die Tanks werden leer. Kopfschmerzen, schlechte Laune, Kreuzschmerzen, volles Programm. Müdigkeit. Unlust! Kurz vor der Autobahnabfahrt fallen mir häufig die Augen zu und ich find kaum noch von Schwindtkirchen aus nach Moosburg. Völlig bedient stehen wir um 00:15 Uhr bei meiner Mama vor der Haustür, die uns trotzdem noch Würstel mit Senf und Kraut macht. Wir verteilen uns auf Schnarcher- und Nicht-Schnarcher-Zimmer.

Kurz vor Schluss

In Ermangelung von Vorhängen springe ich früh aus dem Bett, was Thomas und der Elch mit Befremden wahrnehmen und in Tiefschlaf verfallen. Koch mir mal nen Kaffee und skype mit Olaf, und endlich, um halb zehn, geht die Tür auf! Juhu! Der Tag beginnt!

Wir packen kontinuierlich vor uns hin, Thomas fährt zwischendurch dem Fiesta ein neues Heckklappenschloss auf dem Schrottplatz spendieren. Zu unser aller Betroffenheit ist der Spender-Fiesta besser in Schuss als meine eigene grüne Rostbeule. Uwe kommt, wir verfüttern ihm den übrigen Kuchen, dann ist der auch weg. Der Regen lässt nach und wir spazieren eine große Runde Richtung Rollesbroich und zu den Windrädern. Wir packen weiter, Uwe klebt die Kartons, Thomas kauft was Abendessen. Wir packen. Finde einen weiteren, seit Einzug unbeachteten Karton. Aha, die fehlenden Belege für die LSt 2007. Naja, jetzt ist es auch zu spät. Altpapier. Thomas kocht, Nudeln mit Bolognese-Soße, Salat und Bier. Das letzte Mal Dr. House. Thomas nimmt das Schaf, ich krieg den Elch. Das impertinente Schaf stänkert rum, macht einen auf Öko-Zicke. Die Weingläser sind schon verpackt, trinken aus dem Wasserglas.

Die Uhr tickt

Die Bilder zu diesem Tagebucheintrag sind urheberrechtlich geschütztes Eigentum von Lichtbilder Thomas Ferber. Ungenehmigte Verwertung wird strafrechtlich verfolgt.

Der Elche genießt die Aussicht auf die Pferdeweide

Der Elche genießt die Aussicht auf die Pferdeweide

Das Platte Venn

Das Platte Venn

Tomas grunzt nur, als ich in’s Wohnzimmer komme, ausgeschlafen den Morgen begrüße…Mach mal Kaffee und gehe eiflerisch Frühstück jagen, sprich, fahr die paar Meter bis zum Bäcker bei dem trüben Wetter mit dem Auto. Auch gut so, weil der zu hat und ich gleich auf’s Gas bis Simmerath zum Cafe Peters. Die haben Vollkornbrötchen und Kuchen, bis ich damit im Strauch bin, kriegt Thomas schon ein Auge auf. Vom lecker Frühstück gestärkt, pack ich gleich wieder ein paar Kisten, reiß die Vorhänge ab, Fotos, CDs, Tupperware, alles rein in die Kartons. Langsam sieht’s hier elend aus, vorbei ist’s mit der Behaglichkeit, die schläft gut verpackt bis zur nächsten Wohnung.

Die Holzstege im Venn, der rote Faden für Orientierungsschwache

Die Holzstege im Venn, der rote Faden für Orientierungsschwache

Im Platten Venn

Im Platten Venn

Der letzte Ladendienst, pack meine Stahl-Thermoskanne und meinen Elch ein. Thomas lässt inzwischen dem Fiesta die Sommerreifen anziehen, kauft was zu Essen und raucht mit meiner Nachfolgerin hingebungsvoll. Das Benzin

Ein Venngeist zieht vorbei

Ein Venngeist zieht vorbei

steht heute tief, da tanken wir gleich voll, Carl übergibt mir das Geld für meine Küche und ich schleppe Thomas in’s Venn. Zum letzten Mal. Zuerst in’s Platte Venn zwischen Mützenich und Eupen, danach in’s Hatzevenn bei Konzen.  Er rennt immer voraus, meine Energie ist trotz Gummibärchen verpufft, oh mei. Der Wind zischt kalt über die freien Flächen, kurz vor knapp reißt die Bewölkung auf und goldenes Abendlicht schmeichelt dem trockenen Gras und mir, aber wir gehen trotzdem nicht zurück. Im demontierten Strauch sinke ich mit offenem Mund erschöpft auf’s Bett, Thomas kocht, ach, so ein Scheiß, mir reichts von dem Umziehen, jetzt schon, ich lass das, ich lass alles hier, ich nehm nur die Zahnbürste und frische Socken mit, sollen sich den Rest die Eifeler Christen holen…gleich morgen früh ruf ich die an und sag ihnen Bescheid…

Sunday

Die Bilder zu diesem Tagebucheintrag sind urheberrechtlich geschütztes Eigentum von Lichtbilder Thomas Ferber. Ungenehmigte Verwertung wird strafrechtlich verfolgt.

Zum Frühstück trocken Toast. Dann ist der Kühlschrank leer. Unglücklich. Pack ein paar Kisten, dann fahren wir los in den Tag, noch ist das Wetter passabel, die Temperatur akzeptabel, die Bauarbeiten meiner Druntermieterin intolerabel. Der erste Weg durch die schöne Eifel führt uns nach Gemünd, da bestellen wir uns ein  Mittagessen und Bier auf einer Sonnenterrasse. Danach ist mir dringend nach Mittagsschlaf, aber nix, Thomas will was sehen, wählt Golbach als

Mittagsschlaf

Mittagsschlaf

Fellpflege

Fellpflege

Einstieg in den Eifelsteig und wir traben durch die Landschaft, vergeblich nach mittagsschlaftauglichen Liegewiesen Ausschau haltend, an zahlreichen Pferdeweiden vorbei, und auf dem Rückweg regnet’s sich doch noch ein, da muss der Taschenschirm ran, den ich die Stunden vorher im Rucksack durch die Gegend geschaukelt habe. Cruisen über die Dreiborner Hochebene, doch so richtig malerisch sieht’s unter den grauen Wolken nicht mehr aus und ich plädiere für den Strauch und die

Schöne Eifel, schönes Kallbachtal

Schöne Eifel, schönes Kallbachtal

Ganz schön.

Ganz schön.

Lindenstraße. Thomas cruist im Internet und sagt Starkregen für 22 Uhr voraus. Tatort. 21.55 Uhr: Es kommt draußen mächtig runter. Thomas ist der beste Wetterfrosch!

Grün in grün mit Tarnjäckchen

Grün in grün mit Tarnjäckchen

Morning häs broken.

Die Bilder zu diesem Tagebucheintrag sind urheberrechtlich geschütztes Eigentum von Lichtbilder Thomas Ferber. Ungenehmigte Verwertung wird strafrechtlich verfolgt.

Springe weit vor dem Wecker in den frischen Morgen und erwische die Sonne, wie sie sich grad heimlich über den Horizont schleicht. Bad putzen. Kaffee trinken. Vögelgezwitscher anhören.

Nach Ladenschluss runter in’s warme Eschweiler und rund um den Bahnhof Frühlingsspaziergänge unternommen, bis Thomas’ RE herbeitrödelt.  Durch die Pampa nach Kornelimünster gebohrt, günstig getankt und den historischen Altstadtkern besichtigt. Die Außenbestuhlung ist draußen und ich entscheide mich für das Cafe, in dem der einzige Tische mit nicht-geriatrischen Gästen steht. Sauge das dringend notwendige Koffein in Latte Macciato-Form auf und wir stürmen hoch zum Friedhof, wo ich mit der Aussicht protzen will. Aber nix, es zieht grad zu. Und Thomas zieht’s nach Aachen. Überlasse ihm den Zündschlüssel. Tatsächlich, alles klappt, Parkplatz am Altstadtring und ich empfehle die Ponststraße. Zuerst besichtigen wir den Kern, schon schön, aber auch geriatrisch, endlich fühlen wir entlang der Pontstraße den Puls der Jugend schlagen! Für den kleinen Hunger bestellen wir belgische Fritten, nun ja, sind zwar

Domkeller in Aachen

Domkeller in Aachen

Aachen bei Nacht

Aachen bei Nacht

holländische, aber gut und total sättigend. Im Domkeller klappt der Service so gut, dass Thomas verschiedene belgische Biersorten probiert, ich bleib beim Leffe und erhalte den Zündschlüssel zurück. Sitzen lange draußen und laufen uns danach in der inzwischen interessant beleuchteten Altstadt nüchtern. Auf dem Rückweg narren uns verschiedene Umleitungen und wir verplempern etwas von dem günstigen Benzin, doch kurz vor Mitternacht hat uns der Strauch mit frischen Temperaturen wieder.

Freitag

Malerischer Sonnenschein auf der Rauhreifweide. Großzügige und produktive Mittagspausen, stell vier Kisten Bücher in meinen Flur, damit ich in meinem Strauch atmen kann bis zur Abreise.

Frau X. kriegt zwei Kisten LeseExemplare, dafür darf ich an der Pizza partizipieren und Bier trinken.

Welttag des Buches

Figurenaufbau, Spannungsabbau

Figurenaufbau, Spannungsabbau

Romantik in der Bahnhofsvision

Romantik in der Bahnhofsvision

Wische mit dem Lappen den Winterstaub von Rahmen und Schutzblechen und bringe schweren Herzens mein Eifel-Rad zurück in den Fahrradladen, dreh eine Abschiedsrunde und es fährt so gut! Radeln ist einfach das schönste!

Der letzte Abend mit Uwe. Wir begehen ihn auf der Bahntrasse von der Bahnhofsvision in Kornelimünster fast bis Brand und zurück, kehren im Bahnhof ein und erörtern die Ungerechtigkeit der Arbeitswelt, die so schlecht ist, dass sie uns, die Guten, so ungerecht behandelt. Finden Klötzchen und bauen therapeutische Figuren. Werden trotzdem bedient. Das Gefühl beim Abschied eindeutig seltsam. Kennen uns grad mal 10 Monate. Der Fiesta schuckelt mich ungerührt zurück in die Eifel, als wäre alles wie immer.

Mittwoch

Der Countdown läuft. Die Sonne scheint. Pack meine erste Bücherkiste.

Karoline ruft empört an, warum ich nicht da bin, wenn sie doch kommt, mir umzuziehen helfen??? Sie ist ihrer Zeit voraus, hat sich im Datum geirrt, verspricht, in einer Woche wiederzukommen. Bin etwas verwundert, dass sie’s so dringend hat, mir die Kisten vor die Tür zu stellen…Mach sie und meine Nachfolgerin bekannt, damit die Zukunft in der Eifel literarisch wertvoll bleibt.

Sonnig, aber kühl. Kann mich abends kaum bewegen in meinem winzigen Strauch, vollgestellt mit dem Schachtelkram. Aus ist’s mit der Gemütlichkeit! Dankbar nehm ich Walters Einladung auf ein Glas Wein an, Anna ist noch wach und erklärt mir die Haustiere.

Dienstagschönwettermorgen.

Perspektivenwechsel

Perspektivenwechsel

Eifler Eigenheim-Idylle

Eifler Eigenheim-Idylle

Rauhreif auf den Weiden. Buchen grün. Sonne scheint. Trenne mich schweren Herzens von etwas Pfandglas, ungeliebten Klamotten und meinem zweiten Wohnsitz im Strauch. In der Mittagspause leg ich mich auf eine Bank am Rathausplatzpark und wärme mich auf vom eiskalten Laden. Bei Lidl klafft eine Lücke und ich greife zu Grafenwald Gold, mit echtem Plastikgeschmack. Kleiner Abendspaziergang um den Strauch, zweimal vorbei am Witwen-Ratsch-Bänkelein am Biotop, und mein Gegenüber-Druntermieter mit Wollmütze auch dabei. Unter Aufbietung der ganzen möglichen Größe meines Herzens lustiges Telefonat mit Uwe. Zur Entspannung Dr. House, Monk und Skype.

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