Ein Sonntag voller Abenteuer!

Der morgendliche Hochnebel trifft mich muffig, und die vorbeiziehenden Schwaden und Regenschauer verbessern die Stimmung nicht. Dem Straucher Starkregen entronnen, treff ich ganz knapp im Langerweher Nieselregen ein, stell den Fiesta krumm auf die Straße, Uwe wartet schon und es geht los: Im Töpfereimuseum liest Petra Schier aus ihrem neu erschienen historischen Roman „Die Stadt der Heiligen“. Ein richtiges Happening, das Museum selbst wirkt eh schon recht athmosphärisch, zusätzlich ist die örtliche Pilgergruppe in Kostümen erschienen und mischt sich unter die übrigen Gäste. Auf jedem Stuhl liegt ein Textblatt, denn zu Anfang wird ein Pilgerlied auf Mittelhochdeutsch gesungen. Die Pilgergruppe singt text- und melodiesicher vorneweg, Uwe und ich verweigern jede Lippenbewegung. Anschließend kommt die historische Flötengruppe dran, glücklicherweise wird da von den Zuhörern nix erwartet. Die Autorin hat sich in das passende Gewand zum Text geworfen.

Ihr nächstes Buch „Die Eifelgräfin“ wird im Oktober erscheinen und spielt im mittelalterlichen Kempenich.

Petra Schier sichert die richtigen Flötentöne für ihren Text

Petra Schier sichert die richtigen Flötentöne für ihren Text

Nun ja, dann wird endlich  gelesen und dass ich mich nicht in der Stimmung für Frühstück fühlte, rächt sich jetzt. In der Pause wird ein Konkavelite gereicht, so ein Pudding-Zeugs, die deftige Suppe gibt’s erst hinterher! Ja sowas! Eine Motivationshilfe, die Lesung nicht verfrüht abzubrechen? Dieser Kirsch-Pudding trifft Uwe’s Geschmack, ich sitze tapfer die zweite Hälfe ab und steh als erste in der Schlange vor der Steckrübensuppe mit Gewürzbrot. Toll! Diesmal verzichtet Uwe und wir unterhalten uns noch mit der reizenden älteren Dame, unserer Tischnachbarin, die den gelesenen Text eher kritisch seziert. Mittelalterliche Fakten in Jugendsprache erzählt. Da war ja der Veranstaltungsleiter authentischer, der in wohlgesetzten Worten dem werten Publikum für sein so zahlreiches Erscheinen daselbst dankte und einlud, an der wohlschmeckenden Suppe mit einem Napf teilzuhaben. Nun ja, meins war’s auch nicht. Habs von Haus aus nicht mit historischen Romanen, die sich die entschwindende Aufmerksamkeit der Leser durch plötzliche erotische Einsprengsel sichern.

Uwe - Perfektioniertes Mimikry

Uwe - Perfektioniertes Mimikry

Nutzen die Regenpause und gehen eine Runde über den Friedhof, in etwa ähnlich wie der Moosburger, bloß mit Kunst und Grün. Die Suche nach einem Cafe in Langerwehe endet im Cortina, lösen einen Mitgliedsausweis für den Raucherclub. Wir sind die einzigen sitzenden Gäste, sonst Durchgangsverkehr der Eisesser. Denn unglaublich, aber wahr: es reißt auf und mich hält nichts mehr, bestehe auf einem Ausflug! Schlage Kornelimünster vor, Uwe besteht auf Corneliamünster, das könne er sich leichter merken. Oh mei. Der Herrgott hat einen großen Tiergarten.

Freilaufende Lizards in Corneliamünster!

Freilaufende Lizards in Corneliamünster!

Endlich etwas erfreuliche Umgebung! Kaum ein Jahr und drei Wochen hier, und schon regnets an einem Sonntag nicht und ich schaff’s nach Kornelimünster! So malerisch! Ästhetisch! Kreativ! Endlich was Schönes hier, so fernab dieser eiflerischen Spießigkeit! Sauge die Eindrücke mit allen Poren, Augen und Digicam auf.

Sonniges Kornelimünster

Sonniges Kornelimünster

Die ist von der Kommerner Kariertheit noch ausgelaugt und schließt bald ihre Linse wegen Saftmangels.

Schade, erklimme den Weg zum Friedhof auf dem Hügel und genieße den herrlichen weiten Ausblick über Kornelimünster und auf die Voreifel und die Frühlingssonne im Gesicht.

Klara ruft zum Telefondate per SMS, Uwe ist unauffindbar. Mei, man muss halt entscheiden, was man für wichtig hält. Spurte also unter die graue Wolke über’m Strauch, wo meine Festnetzflatrate mündet. Die Leitung glüht, die Lindenstraße fällt aus.

Eine freilaufende Aachener Ente

Eine freilaufende Aachener Ente

Blauer Himmel!

Blauer Himmel!

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